Resident Evil 7: Biohazard – Review

Zeit mit der Familie

Capcoms Resident Evil Marke ist längst auch über das Videospieluniversum hinaus vielen Leuten ein Begriff – und das zurecht. Hatte der erste Teil der Reihe schließlich quasi das Survival Horror Genre begründet, oder es zumindest so populär gemacht, dass auch eine mittlerweile sechsteilige Kinofilmreihe daraus entsprang.

In seinem Hauptfokus ließ das Game Franchise in den letzten zehn Jahren allerdings stetig nach und erreichte mit Resident Evil 6 einen Tiefpunkt. Aus dem einstigen Grusel-Schocker, war ein zunehmend uninteressanter Zombie-Shooter geworden, sehr zur Enttäuschung der weltweit riesigen Fanbase.

Meet the Bakers

 
Capcom stand schon einmal an einem ähnlichen Punkt, als die Serie kreativ in einer Sackgasse war, wenn auch weit weniger drastisch als in der Gegenwart. Damals machten die Entwickler nicht weniger, als “Resi” neu zu erfinden, zumindest aus Gameplaysicht, und erschuffen mit Resident Evil 4 eines der bis heute besten Action-Games aller Zeiten.

Nun hat Capcom einmal mehr alle Fans überrascht und bringt mit Resident Evil 7 ein für die Serie völlig neues Konzept. Im Vorfeld keine Rede mehr von Zombies, Apokalypse oder Umbrella. Stattdessen schlüpfen wir, in der Ego-Perspektive (!), in die Rolle von Ethan Winters, der sich in die Sümpfe von Louisiana begibt um nach seiner Frau Mia zu suchen, die seit zwei Jahren verschwunden ist. Die Spur führt in ein heruntergekommenes Anwesen, im fiktiven Dulvey, ein Ort in dem in den vergangenen Jahren auffällig viele Menschen verschwunden waren. (Klingt irgendwie vertraut?)

Hat man den Prolog, samt einer genial inszenierten Rückblende (die Spielern der Beginning Hour Demo nur allzu vertraut sein dürfte) abgeschlossen, lernt man auch schon die Hausherren kennen – die nette Familie Baker, die gleich zum Abendessen lädt. Im wahrsten Sinne des Wortes an den Stuhl gefesselt, bekommt man nahrhafte, menschliche Eingeweide und Gliedmaßen serviert.

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The Horror

 
Was ab dann folgt ist ein wahrer Höllentrip, aber im postivsten Sinne. Ich persönlich steigere mich ja gerne in solche Szenarien rein, hatte aber dennoch selten soviel Angst um die nächste Ecke zu schauen oder eine Tür zu öffnen. Die Atmosphäre, die hier geschaffen wird, ist schlichtweg meisterhaft. Von knarrenden Dielen, flackernden Lichtquellen und polternden Gegenständen am Boden, die man kaum umgehen kann, bis hin zu Klopfgeräuschen, unheimlichen Stimmen, plötzlich läutenden Telefonen und übermenschlich scheinenden Widersachern und Abnormitäten, werden hier alle Register gezogen. Und der nächste Jump Scare lauert bereits.
Wer nun meint, das seien die Standard-Moves des Genres oder gar cheap tricks, würde dem großartigen Werk von Koshi Nakanishi mehr als unrecht tun. Denn selten wurden diese Bausteine so gut zusammen gesetzt wie hier, um ein Ganzes zu ergeben, das weit mehr ist als die Summe seiner Bestandteile, und einen richtiggehend ins Geschehen hineinzieht. Möglich wird der Grad an Immersion nicht zuletzt auch durch die fantastische technische Umsetzung, die in Sachen Sound und Grafik im Genre ihresgleichen sucht.

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Resident Evil?

 
Bei aller Abwendung von den bisherigen Eckpfeilern der Reihe, hat es mich besonders begeistert (no pun intended), trotzdem die wesentlichen Elemente wiederzufinden, die das Erlebnis von Resident Evil ursprünglich auszeichneten. Aufsammelbare Gegenstände, die man rotieren kann um versteckte Dinge zu finden, klassische Puzzles bei denen z.B. ein Teil einer Skulptur fehlt und Schlüssel oder Dietriche, sind hier genauso vorhanden wie verstreute Notizen, Fotos und Zeitungsartikel, welche die Hintergründe der Geschichte zusammensetzen. Dazu kommt das eingeschränkte Gebiet eines Anwesens, ein Inventar plus Lagerkisten, kombinierbare Gegenstände, Messer und Schusswaffen mit begrenzter Munition, knapp gehaltene Heilgegenstände sowie die großartige grafische Umsetzung. Selbst die Map des Hauses spielt wieder eine große Rolle, um sich die Position wichtiger Dinge einzuprägen oder die schnellsten Routen durch geheime Gänge zum nächsten Safe Room und damit der Möglichkeit zu Speichern, zu planen. Kein Spiel hat sich für mich jemals mehr so sehr wie Resident Evil 1 angefühlt, seit Resident Evil 1. Ein riesen Komplement an die Entwickler, die hier großes Bewusstsein und Gespür für die Essenz der Reihe bewiesen haben. Das ist Survival Horror in seiner besten Form!

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Mitten im Albtraum

 
Für richtig hartgesottene Horror-Fans, hält Capcom noch etwas besonderes bereit. So lässt sich das gesamte Game vollständig mit Playstation VR in Virtual Reality spielen. Bereits nach der ersten Stunde Resi 7 am TV und einigen, vermutlich nicht als besonders männlich zu erachtenden Schreien, habe ich mir schon die Frage gestellt: “Wer ist so verrückt und spielt das in VR?” Ich spiel’s ja so schon nicht mal alleine – oder im Dunkeln. Man muss vermutlich innerlich tot sein um sich das ganze Spiel so zu geben. Aber zwecks der Vollständigkeit, habe ich mir natürlich die Brille aufgesetzt und mich eingeklinkt. Abgesehen von schlaflosen Nächten, ist die Erkenntnis hier, dass Capcom wirklich die extra Meile gegangen ist. Mit zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten, kann man die Steuerung und Kamerabewegungen auf seine Bedürfnisse anpassen, so dass ein möglichst angenehmes VR-Erlebnis entsteht.

Trotz dieser Bemühungen ist das Ganze nicht perfekt und es kann, wie bei den meisten VR Spielen, immer wieder mal zu Gefühlen von Übelkeit und Desorientierung kommen, wodurch lange VR Sessions eher schwierig sind. Da man aber jederzeit zwischen VR – und Normalmodus wechseln kann, bekommt man hier eine echte Bereicherung statt eines künstlichen Add-ons geboten.

Fazit

Capcom liefert den ersten Kracher des Jahres.

Auf die Inhalte des Spiels näher einzugehen, wäre einfach schade, denn die Story ist spannend und Resident Evil 7 lebt vom Erlebnis. Und was für ein Erlebnis das ist! Selten habe ich mich so inmitten einer Horrorgeschichte gefühlt. Es scheint die Serie erhebt sich immer dann zu ihrem Höhepunkt wenn sie sich neu erfindet. Zahlenfreunde wie ich mögen hier gar ein Muster erkennen: 1, 4, 7. Doch es bleibt zu hoffen, dass wir nicht wieder bis Teil 10 warten müssen, um etwas vergleichbar großartiges zu bekommen.

Resident Evil 7 ist durch und durch Resident Evil und gleichzeitig etwas völlig Neues. Ein Weg, den die Serie hoffentlich noch länger beibehält. Für mich das beste Resi seit Teil 4 und eines der besten Survival Horror Games überhaupt. Darüberhinaus die erste wahre “Killer App” (pun intended) für VR Gaming.

Entwickler Capcom
Publisher Capcom
Genre Survival Horror
System PS4, Xbox One, PC
VR System PS VR (optional)
Uniscreen-Bewertung stars_4_5